Rainer Wekwerth – Damian, die Stadt der Gefallenen Engel

Vor nicht allzu langer Zeit erhielt ich einen recht mysteriösen Brief vom Arena Verlag. Ein blauer Umschlag, auf dem mit silberner Farbe meine Adresse geschrieben war. Als ich ihn öffnete hielt ich einige Seiten eines Tagebuchs in der Hand, das von einem Mädchen geschrieben worden war. Darin lag eine weiße Feder. Das Geschriebene des Mädchens machte mich neugierig. Sie war in einem Park überfallen worden und von einem gut aussehenden jungen Mann gerettet worden, hatte allerdings nichts von ihm. Sie kannte nur seinen Namen. Damian. Dabei lag auch noch eine Leseprobe zum gleichnamigen Buch, die ich natürlich verschlungen habe und das war der Punkt, an dem mir klar wurde, dass dies eins der nächsten Bücher werden wird, die ich lesen muss. Mein nächster Besuch in meiner Lieblingsbuchhandlung war eh geplant. Stolz kehrte ich mit meiner Beute zurück und begann noch auf dem Heimweg zu lesen…

Der Autor
Rainer Wekwerth wurde 1959 geboren. Obwohl er sein Leben lang Geschichten geschrieben hatte, kam er erst mit rund 36 Jahren zum Bücherschreiben. Bis 2006 hat der Autor 11 Bücher veröffentlicht und nahm sich daraufhin eine kleine Auszeit, in der er an Damian arbeitete. Mittlerweile arbeitet er an einer Fortsetzung seines Fantasywerks.

Kurzinhalt
Nach der Trennung von Ben will Lara in den Ferien ein paar Tage in Berlin bei ihren Großeltern verbringen, um dem Alltagstrott zu entfliehen und auf eigene Faust die Hauptstadt zu erkunden. Als das Mädchen in eine gefährliche Situation gerät, ist es Damian, der sie rettet. Sofort ist Lara von ihm in den Bann gezogen, denn obwohl Damian noch so jung ist, wirkt er wahnsinnig reif und tiefgründig.  Zur gleichen Zeit sammeln sich die Bewohner des Himmels und der Hölle, denn der letzte große Kampf steht bevor, der über das Schicksal der Welt entscheiden wird, und in dem Lara, die von alldem nichts ahnt, eine wichtige Rolle zu spielen hat.

Rezension
Noch ein Buch mit Engeln und Dämonen, schon wieder. Ist das Thema nicht langsam mal ausgelutscht? Nach den Vampiren sind nun die Engel hoch im Kurs, und wer bisher kein Vampirbuch veröffentlicht hat, der versucht sich eben an den Engeln. So scheint es jedenfalls, wenn man mal mit offenen Augen durch die Buchhandlungen streift. Da gibt es ganze Regale, die mit „Vampire“ betitelt sind und haufenweise hübsch dekorierte Tische mit den Büchern über die Engel. Doch die Post, die ich vom Verlag bekommen hatte, hat mich neugierig gemacht. Dazu noch die guten Rezensionen, die plötzlich überall im Internet auftauchten. Also kann ein weiteres Engelsbuch ja nicht so sonderlich verkehrt sein, dachte ich mir. – Und nein, das war es wahrhaftig nicht.

Die Geschichte startet mit der fast 18-jährigen Lara, die zurzeit ihrem Freund hinterher trauert, der sie wegen einer anderen verlassen hat. Eine typische Teenager-Situation, in die sich jeder hineinversetzen kann, der schon einmal verliebt gewesen ist. Man kann als Leser auf diese Art sehr schnell und einfach in die Geschichte einsteigen. Lara fährt nach Berlin zu ihren Großeltern, um sich abzulenken. Ein tolle Stadt, welche die Jugendliche bisher nicht richtig kennt, da sie dort bisher nur einmal zu Besuch war. Nun will sie die Stadt selbst erkunden. Ein Tapetenwechsel ist schließlich bei Liebeskummer wirklich das Beste, da kann man gar nichts gegen sagen, also absolut glaubwürdig.

Es wird gar nicht großartig drum herum geredet, relativ schnell lernt Lara Damian kennen. Und wirklich scheint er im ersten Augenblick ein ganz normaler Mensch zu sein, mit besonders viel Zivilcourage, was heutzutage ja leider eher selten der Fall ist. Einfach nur bewundernswert und auch ich habe Damian auf Grund dessen sofort sympathisch gefunden, obwohl man als Leser von Anfang an weiß, dass mit Damian etwas nicht stimmt, dass er ein dunkles Geheimnis hat. Dämonen werden erwähnt, grässliche Kreaturen beschrieben und ein Mann, der Herr über diese Dämonen ist, ob es sich hierbei um Damian oder jemand anderen handelt ist zuerst noch unklar. Doch die Kräfte des Mannes schwinden. Natürlich ist man sofort neugierig, was es damit auf sich hat und das war unter anderem einer der vielen Gründe, warum ich das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen wollte, denn vom ersten Augenblick ist da diese gewisse Spannung aufgebaut, die es braucht, um mich persönlich an ein Buch zu fesseln. Und dieser Spannungsbogen hält sich über die gesamte Geschichte hinweg und wird immer stärker angezogen.

Die Stimmung ist in der Geschichte von Anfang an recht trübe und wird dann wirklich düster, mysteriös um nicht zu sagen dunkel. Die Atmosphäre, die Rainer Wekwerth immer wieder schafft, passt perfekt zum Geschehen im Buch. Die Treffen mit Damian bei Nacht, der Regen, alles wirkt, als ob es ganz genau auf einander abgestimmt ist und zieht den Leser mitten rein in diesen unvermeidbaren Krieg zwischen Himmel und Hölle.

Die Engel haben mich in diesem Buch am meisten fasziniert. Sie sind wundervoll beschrieben und ihre Eigenschaften, ihr Miteinander wird so toll in die Handlung eingearbeitet, dass ich sofort das Gefühl hatte, dass es sich hierbei wirklich um ganz, im wahrsten Sinne des Wortes, himmlische Wesen handeln muss. Und dass selbst die Diener Gottes nicht perfekt sind und auch mal unterschiedlicher Meinung sind, macht sie nur noch sympathischer.

Ein ganz großes Lob muss ich aussprechen für die wahnsinnig anschauliche Erzählung der Kampfszenen. Nicht jeder Autor schafft es, dass ich wirklich alles in einer solchen Szene nachvollziehen kann. Doch Rainer Wekwerth hat es geschafft, dass sich beim Lesen vor meinem inneren Auge wirklich eine Art Film abgespielt hat und ich wahrhaftig jede Szene verstanden habe. Jede Bewegung hat perfekt gesessen. Wer jetzt denkt, dass die Kampfszenen brutal sind, dem würde ich widersprechen. Natürlich ist bei sowas Gewalt im Spiel, doch es ist kein sinnloses Gemetzel, es gehört dazu und ist für die Geschichte unvermeidbar.

Das Cover von Damian, die Stadt der Gefallenen Engel ist wunderschön. Es ist sehr dunkel gehalten, schwarz mit verschiedenen Blautönen und der Titel schimmert im Licht. Wenn man das Buch letztendlich gelesen hat, beginnt man das Bild, welches einen Teil der Berliner Skyline enthält, zu verstehen. Was ich etwas schade fand, war, dass es sich um eine Klappbroschur-Ausgabe handelt. Zwar besser als ein Taschenbuch, aber ich glaube die Wirkung als Hardcover Buch wäre noch eindrucksvoller gewesen und würde im Regal fantastisch aussehen. Dazu dann noch ein dunkelblaues oder schwarzes Lesebändchen und mein Buchliebhaberherz hätte vor Freude Luftsprünge gemacht.

Die Erzählweise und der Schreibstil sind meiner Meinung nach ganz toll, sehr locker zu lesen. Typisch Jugendbuch eben, aber doch muss man aufpassen, dass man bei den ganzen Dämonen und Engeln den Überblick behält. Zur Hilfe ist hinten im Buch ein Glossar angelegt, wo noch einmal geschrieben steht, wer zu welcher Fraktion gehört. Böse oder Gut.

Dennoch bleibt es nicht aus zu erwähnen, dass in den Charakteren viel mehr steckt und der Autor hier viel mehr hätte heraus holen können. Insbesondere bei Damian fand ich es schade, dass man als Leser nicht noch mehr über seine Vergangenheit erfahren hat. Aber das holt Rainer Wekwerth hoffentlich im folgenden Teil nach.
Die Kapitel sind schön kurz, wer einige meiner Rezensionen gelesen hat, der weiß, dass ich das mag. Doch oft ist es leider so, dass man sich denkt „Nur noch ein Kapitel, dann ist Schluss“ – aber dann ist nicht Schluss, denn dann liest man noch eins und noch eins und immer weiter.
Innerhalb der Kapitel muss man manchmal allerdings etwas aufpassen, denn es wird nicht selten hin und her gesprungen. Von einem Schauplatz zum nächsten. Hat man sich gerade noch mit Lara in einem Bücherladen befunden, findet man sich im nächsten Moment zwischen mehreren Engeln wieder, um im Anschluss mitten in der Hölle zu landen. Das klingt jetzt, verwirrender, als es tatsächlich ist. Aber es sollte schon erwähnt werden, dass hin und wieder die Perspektive gewechselt wird. Denn für den Leser hat es schließlich auch etwas Gutes, nämlich dass er weiß, was zurzeit auch andernorts passiert und was für brenzlige Situationen sich anbahnen.
Die ganze Thematik an sich mit dem Kampf zwischen Himmel und Hölle und dass es da noch eine weitere Macht gibt, hat mich beeindruckt und absolut gefesselt. Und dann mittendrin die verzweifelte Liebe von Lara und Damian. Und nein, in diesem Buch wird nicht sinnlos herum geschmachtet und auch nicht in jedem zweiten Satz erwähnt, wie toll dieser mysteriöse Typ doch ist.

Ich will jetzt natürlich nicht zu viel verraten, aber ich muss sagen, dass ich das Ende einfach nur sagenhaft fand und es schreit förmlich nach einer Fortsetzung. Ein Glück, dass Rainer Wekwerth schon dran sitzt und der zweite Teil im nächsten Jahr erscheinen soll. Darauf freue ich mich schon jetzt und habe es mir bereits in meinem Bücherwunsch-Büchlein notiert.

Ein wundervolles Buch. Voll von Mystik, Verschwörung, Kampf und Liebe. Und auch wenn die Bücher mit dem Thema Engel im Moment überwiegen, kann ich dieses Buch ausnahmslos empfehlen. Eine wirklich faszinierend geschriebene Geschichte und das Ende ist einfach nur Hach

Ich vergebe…

★★★★★
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4 Gedanken zu “Rainer Wekwerth – Damian, die Stadt der Gefallenen Engel

  1. Ich les die Rezi erst, wenn ich das Buch selber gelesen habe, will mich ja überraschen lassen. Aber 5 Schmetterlinge klingt schonmal sehr vielversprechend

  2. Wirklich eine großartige Rezension! Bekomme glatt Lust, mir das Buch zu kaufen, obwohl’s nicht wirklich mein Thema ist. – Und das heißt schon was! ;)

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